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Verschriftlichen
Von der Ver-Anderung des Sprechens in der Schrift
Unter
dem Stichwort Writing Culture wurde Repräsentation
als interaktionale, narrativ geprägte und inskribierende
Praxis verhandelt. Wenn auch im Anschluss an den linguistic
turn Sprache als welterzeugend verstanden wurde, so war dieses
Verständnis vornehmlich durch den Fokus auf Narrative
geleitet; nur am Rande ist aber die gleichsam vorprädikative,
mediale Wirksamkeit der Sprache selbst (in ihrer mündlichen
und schriftlichen Materialität) in den Blick geraten.
Kaschuba stellt in seiner zusammenfassenden Gewichtung der
Repräsentations-Debatte dar, dass das ethnologische Be-Schreiben
nicht nur Kultur repräsentiert, sondern zugleich auch
immer eine Art und Weise den Anderen zu machen ist, also ein
Verfahren des Othering, der Herstellung von Kultur mit sprachlichen
Mitteln, darstellt. Die sprachlichen Mittel, die Kaschuba
dabei im Auge hat, sind vorwiegend stilistische Formen, die
mediale Konstitution von Wirklichkeit gerät indessen
nicht in den Blick.
In
der qualitativ-empirischen Forschung sind Medienwechsel vom
Mündlichen zum Schriftlichen Bestandteil jedes Forschungsprozesses.
Ziel des Vortrags ist es, die kulturelle Praxis des Verschriftlichens
und zwar von der Plastizität und Dialogizität
des Sprechens her in den Blick zu nehmen. Denn in der
Übertragung von mündlichen Daten zu schriftlichen
wird nicht nur Flüchtiges fixiert, sondern der sprachliche
Sinn durch die jeweilige Art der Ver-Schriftlichung zugleich
verändert. Die Frage, was alles vom mündlichen Gespräch
in der Schrift nicht aufgeht, soll exemplarisch anhand ausgewählter
Interviewausschnitte erörtert werden. Konkret soll aufgezeigt
werden, dass und wie Sinn mündlich interaktional prozessiert
und ausgehandelt wird, d.h. eine analytische Aufmerksamkeit
nur für die verbalsprachlichen Äußerungen
eines Sprechers eine willkürliche "Dissoziierung"
(Ehlich) aus dem Gesprächskontext darstellt. Darüber
hinaus ist zu fragen, was es für die Kulturanalyse bedeutet,
wenn solche Ver-Schriftlichungen als Ausgangspunkt für
ein inhaltsanalytisches Vorgehen genommen werden, die den
Aussagegehalt als ein von der Äußerung und ihrer
interaktionalen Einbindung ablösbares Material betrachten.
Ein Material, das so dissoziiert von seiner einmaligen
sprachlichen Fassung und dialogischen Einbindung vermeintlich
einer vergleichenden Analyse zugänglich ist. Vermeintlich,
denn die dispositionalen Bedingungen mündlicher Sinnbildung
werden einem rein inhaltsanalytischem Vorgehen gerade nicht
zugänglich.
Der
Blick auf Prozesse des Verschriftlichens erlaubt so nicht
nur methodische Einsichten über die Art und Weise, in
der Wirklichkeit als Datum medial hergestellt wird, er belegt
zugleich, dass Schrift nicht verschriftete Mündlichkeit
ist (Krämer), verschriftete Mündlichkeit nicht Mündlichkeit
ist, dass es mithin keine medial neutrale Sprache hinter dem
Sprechen und Schreiben gibt. Damit möchte ich zugleich
für einen Medienbegriff plädieren, der sich über
die Performativität, die Vollzugswirklichkeit kultureller
Praktiken konstituiert. Bei meinem derzeitigen Forschungsvorhaben
"Technik im Gespräch. Re-Lektüre der Interviews
des Projekts Technik als biographische Erfahrung"
bilden die im Vortrag anvisierten methodischen Überlegungen,
die versuchen, explizit der Mündlichkeit der Daten Rechnung
zu tragen, den Ausgangspunkt der Re-Lektüre und Analyse.
Konstitutiver Bestandteil der Erhebung mündlicher Interviews
ist dabei immer das Tonaufnahmegerät. So könnte
hier weitergehend anhand von sprachlichen Bezugnahmen auf
das Aufnahmegerät gefragt werden, ob und wenn ja, in
welcher Hinsicht dieses als nichtsprachlicher Akteur (Latour)
die Mündlichkeit der Konstellation verändert. Wirkt
die Aufzeichnung etwa derart auf die Gesprächspraxis
zurück, dass die Gesprächsteilnehmer nicht nur sich
selbst wechselseitig adressieren, sondern auch potenzielle
Leser?
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