Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Alter: 65
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Universitätsprofessor an der Ludwig-Uhland-Universität Tübingen
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? Symbolanalyse, populäre Frömmigkeit, Erinnerungskultur, Geschichte und Theorie des Museums
Wo waren Sie zuvor tätig? Museumstatigkeit in Bonn/Kommern und Ausstellungstätigkeit in Berlin

Igel oder Kuscheltier?
Das Museum im Medienwandel, oder: Die geringe Einschaltquote als Chance

Drei für die Bedeutung des Museums in der Gegenwart relevante medienhistorische Zusammenhänge sollen herausgestellt und diskutiert werden: Zum einen die Tatsache, dass sich das Museum als Informations- und Kommunikationsinstanz in Anbetracht der aktuellen Medienentwicklung erstaunlich gut gehalten hat. Der Soziologie Heiner Treinen hat kürzlich darauf hingewiesen, dass das "Museumswesen" neben den elektronischen Medien "die am stärksten expandierende kulturelle Institution im nordatlantischen Kulturkreis" ist. Als Gründe für diese Karriere im Gegenwind der neuen Medien werden spezifische Präsenzeffekte (H. U. Gumbrecht), Authentizitätseffekte (C. Lévi-Strauss) und Anitephemerial-Effekte (M. Augé) genannt. Zum zweiten ist zu beobachten, dass sich – trotz der antimedialen Erfolgsgeschichte – im Museum Krisenphänomene häufen. Diese treffen insbesondere das weite Feld der kulturhistorischen und volkskundlichen Museen. "Today, we are witnessing both an unprecedented flourishing of museums and their deepest conceptual crisis". Wie ist dieser Sachverhalt zu erklären? Und welche Folgen hat er für Theorie und Praxis der Museumsarbeit? Damit zusammenhängend ist drittens schließlich die Frage nach der Spezifik des Mediums Museum aufzurufen. Darauf bezieht sich die Titelformulierung, deren Terminologie J. Mittelstraß entliehen ist. Ist das Museum ein "Ort der Gegenkultur" (N. Postman) oder ist es Kompensationsagentur (O. Marquard), die das Unvermögen, sich mit der eigenen Welt entdeckend, deutend und weiter entwickelnd zu beschäftigen, institutionalisiert. Warum gehen auf das Museum, so ist zu fragen, auf einmal die wichtigsten Impulse von den Natur- und nicht mehr von den Kulturwissenschaften aus? Ist das Museum, so die Alternative aus den Anfängen der Medienkonkurrenz, "Ort der Konsekration oder Herausforderung"? Wie kann das Museum als "Medium mit geringer Einschaltquote" seine kommunikativen Strategien effektvoll organisieren?

 
 
Prof. Dr. Gottfried Korff
 
 
 
 
Der Vortrag von Gottfried Korff findet statt am:
Di | 25.9. | 11.45 Uhr
in P1