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Wie
alt sind Sie? 34 Jahre
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Wiesbaden
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Juniorprofessor
für Kulturanthropologie / Volkskunde
Wo waren Sie zuvor tätig? Universität Kiel,
Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde
e.V. (ISGV) Dresden
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte?
Säuglingsernährung als kulturelle Praxis
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Kultur der
Elternschaft, Nahrungsforschung, maritime Ethnologie, Mediennutzung
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf die Kolleginnen
und Kollegen. Viel Erfolg bei der Podcast-Aktion!
Brust
oder Flasche?
Säuglingsernährung und die Rolle von Beratungsmedien
Nach
der Geburt eines insbesondere des ersten Kindes
stellt sich den Eltern eine weit reichende Aufgabe: der neue
Familienalltag muss gefunden und eingeübt werden. Eine
Fülle an Ratgeberliteratur gibt hierfür Hinweise.
Doch wie einflussreich sind diese Texte im Hinblick auf die
zu treffenden Entscheidungen?
Eine
der wichtigsten Fragen, über die in den ersten Lebensstunden
oder -tagen befunden werden muss, ist die der Ernährung
des Kindes: Brust oder Flasche? Im Falle der Flasche ist diese
Entscheidung irreversibel und daher unaufschiebbar. Statistiken
zeigen, dass sich die Proportionen bei der Entscheidung dieser
Frage in den letzten Jahrzehnten mehrfach sehr stark verändert
haben: während Mitte der 70er Jahre in Deutschland nahezu
die Hälfte der Säuglinge bei der Entlassung aus
der Klinik die Flasche bekam, so liegt die Quote aktuell bei
etwa 15 %.
Im
Zentrum des Vortrags steht die Frage, welche Mechanismen und
Entwicklungen für diese Verschiebungen relevant waren
und welche Rolle hierbei medialen Beratungsangeboten zuzumessen
ist. Die vorhandenen statistischen Daten zur Säuglingsernährung
und die serielle inhaltsanalytische Auswertung von Ratgebermedien
aus den letzten 60 Jahren erlauben einen direkten Abgleich
zwischen normativen medialen Setzungen und der gelebten Alltagspraxis.
Hierbei ergeben sich als Befund signifikante Parallelen und
Abweichungen, die zur kulturwissenschaftlichen Interpretation
herausfordern. Es zeigt sich nämlich, dass sich die alltagskulturellen
Veränderungen der letzten Jahrzehnte nicht durchgängig
in den jeweils aktuellen Ratgebertexten spiegeln. Die normative
Wucht dieser Texte darf also nicht überbewertet werden,
vielmehr sind weitere Einflussfaktoren zu berücksichtigen
und die Befunde sowohl in Bezug auf das Konzept des "intensive
mothering" (Hays) als auch im Anschluss an wissenssoziologische
Forschungen zu diskutieren.
Im
Ergebnis zielen diese Überlegungen auf einen Beitrag
zur Frage der Bedeutung des Medialen bei der Neukonstituierung
des Alltags nach dem Übergang zur Elternschaft.
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