Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
 
 
 
 
   
   

Wissensformate
Beiträge zur Medialität volkskundlichen Wissens
- Vorstellung des DFG-Forschungsverbunds: "Volkskundliches Wissen und gesellschaftlicher Wissenstransfer. Zur Produktion kultureller Wissensformate im 20. Jahrhundert"

Die Vielförmigkeit volkskundlichen Wissens und ihre gesellschaftliche Bedeutung soll mit dem Begriff des Wissensformats gefasst werden. Der Verbund geht davon aus, dass in Wissensformaten einzelne Wissensbestände nach bestimmten Prinzipien ausgewählt, gesammelt, geordnet, interpretiert und/oder (re)präsentiert werden. Formate nehmen dabei eine jeweils spezifische Form und Struktur an. Sie postulieren die Gültigkeit des in ihnen festgeschriebenen Wissens und positionieren es in einem Spektrum zwischen akademischer Wissenschaft und breiter Öffentlichkeit. Obgleich bestimmte Formate wie beispielsweise Enzyklopädien und Wörterbücher stärker in die Wissenschaften hinein kommunizieren und andere Formate wie Erzählsammlungen oder Dokumentarfilme von einer breiteren Öffentlichkeit rezipiert werden, können doch alle Formate gleichermaßen als Ergebnis von Aushandlungsprozessen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren bzw. Gruppen verstanden werden. Das Verständnis der Formatgenerierung als Ergebnis eines aktiven Aushandlungsprozesses unterstreicht zum einen die enge Verknüpfung der Analysekategorie "Wissensformat" mit den anderen, die Forschung des Verbundes leitenden, Begriffen "Wissensmilieu" und "Wissensraum". Zum anderen wird die Dynamik der Formatierungsprozesse deutlich, die eng mit gesellschaftlichen, darunter auch wissenschaftliche und fachwissenschaftliche, Entwicklungen korrelieren. Dabei sind einzelne Formate häufig mit anderen, teils instrumentell dienenden, verknüpft, beispielsweise folkloristische Enzyklopädien mit Textsammlungen und Katalogen oder Landesbeschreibungen mit Erhebungsbögen und Berichten. Diskutiert werden soll, wie über die Untersuchung der Wissensformate die Spezifik der Generierung volkskundlichen Wissens erfasst werden kann, wie mittels Formaten volkskundliches Wissen ausgehandelt und kommuniziert wird und welcher Praktiken der Artikulation sich die Akteure in diesen Prozessen bedienen.

 
 
 
     
 
Der Vortrag von Michaela Fenske und Lioba Keller-Drescher findet statt am:
Di | 25.9. | 9.00 Uhr
in P4